Reisebericht: „Dr schööne, grüene Aare naa“ vom 07./08. September 2024

Nach fünf Jahren Unterbruch hat der ökumenische Kirchenchor Elgg 2024 wieder eine Reise unternommen. Diese führte die 30 Teilnehmenden am ersten September-Wochenende ins Berner Oberland – „dr schööne, grüene Aare naa“.

Bei streckenweise leichtem Morgennebel – ansonsten sollte es jedoch ein strahlender, heisser Spätsommertag werden – startete die Reisegruppe am Samstagmorgen per Car Richtung Bern zum ersten Etappenziel Wabern. Hier befindet sich das Bundesamt für Landestopographie. Hört man diesen Begriff, verbindet man ihn unweigerlich mit der Herstellung von Landeskarten, was natürlich nach wie vor stimmt. Aber Swisstopo, wie die Behörde heute heisst, bietet viel mehr als das – vor allem hat natürlich auch hier die Digitalisierung Einzug gehalten. Davon konnten sich die Elggerinnen und Elgger beim aufschlussreichen Vortrag „Swisstopo koordiniert und bewahrt“ und dem anschliessenden Besuch im GeodataLab selbst überzeugen. Die dort aufgesetzten 3D-Brillen ermöglichten Visualisierungen und das Navigieren in verschiedensten Gebieten. Swisstopo arbeitet mit höchster Präzision. Es vermisst die Schweizer Landschaft und ihren Untergrund, auch aus der Luft, und kann jeden Standort zentimetergenau bestimmen. Die Daten werden Behörden, Institutionen, dem Militär und auch Privaten zur Verfügung gestellt. Nach dem faszinierenden und hochinteressanten Einblick in die Vermessungstechniken und deren unabdingbare Wichtigkeit für den Zusammenhalt der Schweiz folgte eine halbstündige Busfahrt nach Mühledorf zum Mittagessen und danach weiter nach Thun, wo die Reisenden zu einer Stadtführung erwartet wurden.

Aare und Alpen im Blickfeld
in der schmucken Zähringerstadt wuselte es dann nur so von Besuchern und musizierenden jungen Leuten, fanden doch an diesem Wochenende die Kadettentage statt. Doch die beiden Stadtführerinnen „lotsten“ die in zwei Gruppen eingeteilten Gäste aus Elgg souverän durchs Gedränge der Festivitäten.
Sie erfuhren in anderthalb Stunden viel über die Entwicklung der Stadt und dass sie mit 44’000 Einwohnern die dreizehntgrösste der Schweiz und nicht nur durch ihren Waffenplatz bekannt ist. Das prächtige, erhaben über der Stadt thronende Schloss aus dem 12. Jahrhundert kann bequem und zeitsparend mittels eines neuen, vom Parkhaus ausgehenden Liftes erreicht werden. Es sei eigentlich gar kein Schloss, sondern eher eine Burg gewesen (weil nie bewohnt), wusste die Stadtführerin. Von der nahe gelegenen Kirchenterrasse aus geniesst man eine herrliche Aussicht auf die Aare und dahinter die Berge.
So glaubt man gerne, dass die Zähringerstadt viele Künstler inspiriert hat, wie die Stadtführerin sagte. Beispielsweise sei „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist hier entstanden, und auch Ferdinand Hodler und Paul Klee hätten hier gerne gemalt. Eine imposante Fahrt – immer wieder die Berner Alpen mit den drei mächtigen Gipfeln Eiger, Mönch und Jungfrau im Blickfeld und vorbei an wunderbaren, blumengeschmückten Häusern – führte die Reisegruppe dann nach Steffisburg, den Ort zum Übernachten.

Singen in der Kirche Amsoldingen
Traditionsgemäss singt der Chor auf seiner Reise jeweils in einem Gottesdienst. Also brachen die Sängerinnen und Sänger samt ihren mitreisenden Gästen am Sonntagmorgen zur kurvenreichen Fahrt zum nahe und etwas höher gelegenen Amsoldingen auf. Im 800-Seelen-Dorf steht die wohl schönste, ums Jahr 1000 erbaute romanische Kirche des Kantons Bern. Beim Betreten des kraftvollen, sakralen Raumes der Basilika entfährt einem unweigerlich ein bewunderndes, ehrfürchtiges „Wow“. Hier durfte der Elgger Kirchenchor unter der Leitung seines Präsidenten Hanspeter Herzog den Gottesdienst zum Thema Schöpfung mit dem Chorstück „Jesus Rex admirabilis“ von Palestrina eröffnen. „Von guten Mächten“ (Text von Bonhoeffer) folgte im weiteren Verlauf, und zum Schluss erklang das „Bariki Baba“, ein fröhliches Segenslied aus Tansania, wobei auch hier die Kirchgängerinnen und insbesondere die sechs „Könfeler“, wie die Konfirmanden auf Berndeutsch genannt werden, miteinbezogen wurden. Den Rhythmus trommelte Priska Herzog auf ihrer Djembe. Auf die dazugehörenden Tanzschritte verzichteten die Elggerinnen dann – leider.
Das Mittagessen wurde sodann auf der gut zwei Stunden dauernden Schifffahrt, am Fusse des Niesen, eingenommen. Die „Stadt Thun“ brachte die Reisenden vorbei an malerischen Gestaden und alten Villen nach Interlaken. Hier wartete bereits der Car zur Heimreise über den Brünig mit Halt in Giswil zum Genuss des Desserts und einem kurzen gemütlichen Ausklang.
Eine vielseitige, gehalt- und eindrucksvolle Reise fand am Sonntagabend nach der wohlbehaltenen Ankunft aller in Elgg – sogar eine Stunde früher als geplant – ihren Abschluss.
Der beste Dank der Teilnehmenden geht an Giorgio Bösiger für die perfekt organisierte und durchgeführte Chorreise. Und nicht zuletzt auch an den Car-Chauffeur Sandro Knöpfel, der die Chilechörler/innen sicher, versiert und pünktlich von Ort zu Ort führte.

Hedi Lutz

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